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Die Schlacht von Brunanburh 937: ein Sieg ohne Ort, ein Gedicht als Hauptzeuge und die Frage, ob hier England entstand

Geschichte & Funde Die Schlacht von Brunanburh 937: ein Sieg ohne Ort, ein Gedicht als Hauptzeuge und die Frage, ob hier England entstand

Im Jahr 937 schlugen König Æthelstan und sein jüngerer Bruder Edmund ein Bündnis aus dem Wikingerkönig Olaf Guthfrithsson von Dublin, Konstantin II. von Schottland und Owain von Strathclyde. Ein altenglisches Preisgedicht feiert den Sieg als das größte Gemetzel, seit Angeln und Sachsen auf die Insel kamen. Irische Annalen bestätigen die Schlacht, walisische nennen sie in zwei Wörtern, eine isländische Saga erzählt sie dreihundert Jahre später ganz anders. Wo Brunanburh lag, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Dieser Beitrag legt die Zeugnisse nebeneinander, prüft die Ortsfrage zwischen Bromborough auf Wirral und gut vierzig anderen Vorschlägen, verfolgt Olafs Rückkehr nach Æthelstans Tod und fragt, was am Etikett „Geburt Englands“ dran ist – auch mit Blick auf den Film „The Last Kingdom: Seven Kings Must Die“.

Einordnung: eine berühmte Schlacht, von der wir wenig wissen

Brunanburh gehört zu den bekanntesten und zugleich am schlechtesten dokumentierten Schlachten des englischen Frühmittelalters. Gesichert sind das Jahr 937, die Namen der Anführer und der Ausgang: Die Westsachsen und Mercier unter Æthelstan und Edmund siegten, die Verbündeten aus Dublin, Schottland und Strathclyde flohen. Schon der Monat ist unbekannt; Vermutungen auf den Herbst sind Rekonstruktionen.

Noch unsicherer ist der Ort: Brunanburh, Brunandun, Weondun, Brune, eine Ebene „Othlyn“ und die Heide Vínheiðr der Egils saga – ob alle denselben Platz meinen, beschäftigt die Forschung seit über hundert Jahren.

Zwei Begriffe vorweg. Die Angelsächsische Chronik sind jahrweise Aufzeichnungen in altenglischer Sprache, ab dem späten 9. Jahrhundert am westsächsischen Hof begonnen und in mehreren Handschriften überliefert; die älteste heißt A-Text. Ein Jarl (altenglisch eorl) ist ein hochrangiger Gefolgsherr unterhalb eines Königs. Strathclyde war ein keltischsprachiges Königreich im Südwesten des heutigen Schottland.

Vorgeschichte: York, Eamont 927 und der Feldzug von 934

Æthelstan war ein Enkel Alfreds des Großen und Sohn Edwards des Älteren aus dessen erster Verbindung mit Ecgwynn. Nach Edwards Tod 924 wurde er in Mercien anerkannt, 925 gekrönt; sein Halbbruder Ælfweard starb kurz nach dem Vater, die Umstände sind unbekannt.

Der Schlüssel zu 937 liegt in York. Dort herrschten seit dem späten 9. Jahrhundert skandinavische Könige (siehe Jórvík). Als König Sihtric 927 starb, ein Jahr nach seiner Heirat mit Æthelstans Schwester, nahm Æthelstan York in Besitz. Sihtrics Verwandter Guthfrith, König von Dublin, versuchte den Thron zu gewinnen und musste weichen. Guthfrith war der Vater Olafs, der 937 das Bündnis anführte. Olaf hatte also einen familiären Anspruch auf York.

Am 12. Juli 927 trafen sich nach der D-Fassung der Chronik bei Eamont nahe Penrith mehrere Herrscher mit Æthelstan und erkannten seine Oberhoheit an: genannt werden Hywel von den Westwalisern, Konstantin von den Schotten, ein Owain, den die Chronik König von Gwent nennt, und Ealdred von Bamburgh. William von Malmesbury macht daraus einen Owain der Cumbrer; hierzu gibt es also unterschiedliche Angaben.

Sieben Jahre später, 934, zog Æthelstan mit einem Landheer und einer Flotte nach Schottland und verwüstete weite Teile des Landes, wie die Chronik knapp vermerkt. Den Anlass nennt keine zeitgenössische Quelle. Der Feldzug zeigte den nördlichen Herrschern, dass sie Æthelstan einzeln nicht gewachsen waren.

Die Gegner: Olaf Guthfrithsson, Konstantin II. und Owain

Olaf Guthfrithsson, irisch Amlaíb mac Gofraid, gehörte zur Dynastie der Uí Ímair, der „Enkel Ivars“, die seit dem 9. Jahrhundert Dublin und zeitweise York beherrschte. Ob jener Ímar mit dem Ivar der englischen Quellen identisch ist, den spätere Sagas den Knochenlosen nennen, ist eine verbreitete, aber nicht bewiesene Gleichsetzung. Olaf folgte seinem Vater 934 in Dublin. Noch 937 schaltete er am Lough Ree den Wikingerkönig von Limerick aus und hatte damit den Rücken frei. Die Anfänge der Dubliner Herrschaft schildert der Beitrag über Olaf den Weißen (ab 853), der nicht mit Olaf Guthfrithsson zu verwechseln ist.

Konstantin II., gälisch Causantín mac Áeda, regierte das Königreich Alba seit etwa 900 und damit länger als jeder andere Herrscher seiner Zeit. Dass er, der selbst gegen Wikinger gekämpft hatte, sich mit Dublin verbündete, zeigt, wie sehr Æthelstan die Fronten verschoben hatte. Johannes von Worcester nennt ihn im 12. Jahrhundert Olafs Schwiegervater; zeitgenössisch belegt ist diese Ehe nicht. Konstantin überlebte, dankte um 943 ab und starb 952, nach schottischer Überlieferung als Mönch in St Andrews.

Über Owain von Strathclyde wissen wir am wenigsten; sein Schicksal verzeichnet keine Quelle. Das Umfeld der Allianz beschreiben die Beiträge über die Gall-Goídil und die Wikinger in Irland, Schottland und auf den Inseln.

Die walisischen Könige, allen voran Hywel Dda, blieben fern, obwohl das walisische Prophetiegedicht „Armes Prydein“ zu einem großen Bündnis gegen die Engländer aufruft. Seine Datierung ist umstritten, als Beleg für 937 taugt es nur unter Vorbehalt.

Das Gedicht in der Angelsächsischen Chronik

Der wichtigste Zeuge ist ein Preislied: Unter 937 steht in der Chronik ein Gedicht von 73 Versen in altenglischem Stabreim, also in Versen, deren betonte Silben durch gleiche Anlaute verbunden sind. Da die A-Handschrift es schon im 10. Jahrhundert enthält, entstand es spätestens wenige Jahrzehnte nach der Schlacht.

Das Gedicht beginnt mit dem Satz, Æthelstan, „der Herr der Edlen, der Ringgeber der Männer“, und sein Bruder Edmund hätten bei Brunanburh lebenslangen Ruhm erkämpft und mit den Schneiden der Schwerter den bordweal gespalten, den Wall aus Schilden. Den Begriff erklärt der Beitrag über den Schildwall. Es folgen der Kampf vom Morgen bis zum Abend, die Verfolgung der Fliehenden und die Toten auf dem Feld.

Fünf junge Könige, heißt es, lagen auf dem Schlachtfeld, „von Schwertern eingeschläfert“, dazu sieben Jarle Olafs und unzählige aus dem Heer, Seeleute und Schotten. Der „Fürst der Nordmänner“ wurde mit kleiner Schar zum Bug seines Schiffes getrieben und rettete sein Leben auf die fahle Flut. Auch der „alte“, „graue Kämpfer“ Konstantin floh nach Norden in seine Heimat; er hatte keinen Grund zu prahlen, denn er ließ seinen Sohn verwundet auf der Walstatt zurück, „jung im Kampf“. Die Nordleute fuhren in ihren genagelten Schiffen über Dinges mere und tiefes Wasser zurück nach Dublin, beschämt.

Gegen Ende treten die Tiere der Schlacht auf, Rabe, Adler und Wolf, ein Motiv, dem der Beitrag über den Raben im Norden nachgeht. Dann folgt der Schluss, der die Deutung bis heute prägt:

„… nie ward größeres Gemetzel auf diesem Eiland jemals zuvor an Volk gefällt durch Schwertes Schneiden, soweit uns Bücher sagen, alte Gelehrte, seit von Osten hierher Angeln und Sachsen heraufkamen über breite Wogen, Britannien suchten, stolze Kriegsschmiede, die Waliser bezwangen, ruhmbegierige Edle, das Land gewannen.“

„The Battle of Brunanburh“, Angelsächsische Chronik zu 937, V. 65–73; eigene Übersetzung aus dem altenglischen Text (Ausgabe der Datenbank CLASP, Oxford)

Diese Verse messen den Sieg nicht an einer Zahl, sondern an einer Geschichtserzählung: Die Engländer erscheinen als Erben der Eroberer, die einst über das Meer kamen. Ein Gefechtsbericht ist das nicht, wohl aber ein Zeugnis, wie der Hof den Sieg verstanden wissen wollte. Und es bleibt genau: Olaf und Konstantin überleben.

Alfred Tennysons englische Fassung von 1880 ist eine freie Nachdichtung, keine genaue Übersetzung.

Zeugnisse aus Irland, Wales und englischen Klöstern

Dass Brunanburh keine westsächsische Erfindung ist, zeigen Quellen von der anderen Seite. Die Annalen von Ulster, eine in Irland fortlaufend geführte Jahreschronik, verzeichnen zu 937 eine große, beklagenswerte und schreckliche Schlacht zwischen Sachsen und Nordleuten. Darin seien mehrere tausend Nordleute gefallen, die niemand gezählt habe, ihr König Amlaíb aber sei mit wenigen Begleitern entkommen; auf der anderen Seite seien viele Sachsen gefallen, doch Æthelstan, der König der Sachsen, habe einen großen Sieg errungen. Einen Ort nennen sie nicht, doch sie bestätigen aus Olafs Welt das Ergebnis und die hohen Verluste.

Die Annalen von Clonmacnoise sind ausführlicher, aber schwieriger. Nur in einer englischen Übersetzung von 1627 erhalten, nennen sie die „plaines of othlyn“, 34.800 Tote und mehrere Gefallene, darunter Konstantins Sohn Ceallach. Zahl und Namen lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Die walisischen Annales Cambriae notieren zu 937 nur „bellum Brune“, die Schlacht bei Brune, und bestätigen damit unabhängig den Namensteil Brun-.

Der Adlige Æthelweard schrieb um 980 eine lateinische Chronik. Er nennt den Ort Brunandun, das Element dun bedeutet Hügel, und spricht von einem „großen Krieg“. Nach diesem Sieg, schreibt er, seien die Gefilde Britanniens zu einem zusammengefügt worden, überall habe Friede geherrscht, und seither sei keine feindliche Flotte mehr gekommen. Das ist die früheste Deutung als Wendepunkt der Einheit; den lateinischen Volltext habe ich nicht gelesen.

Im 12. Jahrhundert erzählen Mönche in Durham, Worcester und Malmesbury ausführlicher; ob aus verlorenen Quellen oder aus Ausschmückung, ist selten zu entscheiden.

In Durham entstandene Texte, die Symeon von Durham zugeschrieben werden, nennen den Ort Weondun oder Wendun und fügen hinzu, er heiße auch Et Brunnanwerc. Sie geben Olaf eine Flotte von 615 Schiffen und lassen ihn mit Schotten und Cumbrern vereint kämpfen. Zeitgenössisch belegt ist diese Zahl nicht.

Johannes von Worcester schildert Olaf als „König vieler Inseln“, angestachelt von seinem Schwiegervater Konstantin, und lässt ihn mit einer starken Flotte in die Mündung des Humber einlaufen. Dieser Satz trägt die Hypothesen, die Brunanburh in Yorkshire suchen; Kritiker halten ihn für eine Folgerung des Chronisten.

William von Malmesbury, der um 1125 schrieb, erzählt am farbigsten. Æthelstan habe Olaf mit Absicht weit ins Land vordringen lassen. Olaf habe sich als Spielmann verkleidet ins englische Lager geschlichen. Und Æthelstans Schwert sei ihm in der Schlacht aus der Scheide gefallen und auf ein Gebet zum heiligen Aldhelm wieder in seiner Hand gewesen. Das sind Legenden aus Malmesbury, wo Æthelstan begraben liegt; von dort stammt auch die Nachricht vom Tod seiner Vettern Ælfwine und Æthelwine. William behauptet auch, Konstantin sei in der Schlacht getötet worden. Das ist falsch.

Die Egils saga und die Heide Vínheiðr

Eine ganz eigene Fassung bietet die isländische Egils saga, entstanden um 1220 bis 1240. Sie gehört zu den Isländersagas, Prosaerzählungen zwischen Erinnerung und Literatur. Nach der Saga traten Egill Skallagrímsson und sein Bruder Þórólfr mit ihren Leuten in Æthelstans Sold. In den Kapiteln 51 bis 55 folgt eine Schlacht gegen einen König Óláfr, den die Saga Óláfr rauði nennt, „der Rote“, und zum König von Schottland macht: väterlicherseits Schotte, mütterlicherseits Däne.

Æthelstan lässt seinem Gegner eine Walstatt auf der Heide Vínheiðr bei Vínuskógar anbieten und das Feld mit Haselstangen abstecken; altnordisch heißt das hasla völl, „das Feld mit Hasel abgrenzen“, ein Brauch für verabredete Kämpfe. Zwei Jarle namens Hringr und Aðils, Herren in Bretland, wechseln die Seite, Þórólfr erschlägt Hringr und fällt später selbst, und Æthelstan schenkt Egill zwei Truhen voller Silber für den Bruder.

Die meisten Historiker setzen Vínheiðr mit Brunanburh gleich, weil Zeit, Gegner und Sieger in groben Zügen passen. Bewiesen ist diese Gleichsetzung nicht, und sie wird mit guten Gründen bezweifelt. Der König heißt anders, Dublin fehlt, und die Erzählung stellt Egill in den Mittelpunkt. Sarah Foot, Verfasserin der maßgeblichen Æthelstan-Biographie, hält sie hier für unzuverlässig.

Wo lag Brunanburh? Der Fall Bromborough auf Wirral

Über vierzig Orte sind vorgeschlagen worden. Die Mehrheit der Fachleute neigt inzwischen einem zu: Bromborough auf der Halbinsel Wirral zwischen den Mündungen von Dee und Mersey, südlich des heutigen Liverpool.

Das stärkste Argument ist der Name. Die Ortsnamenforscher Paul Cavill und Stephen Harding, beide an der Universität Nottingham, lesen Brunanburh als „Burg des Bruna“, mit einem Personennamen im ersten Glied, und die frühen Belege von Bromborough als Fortsetzung genau dieser Form. Von den vier bekannten englischen Ortsnamen mit Bruna liegen nach ihrer Zählung drei auf Wirral, um Bromborough herum. Ihr Buch „Finding the Battle of Brunanburh“ erschien Ende 2025.

Ein zweites Argument liefert das Gedicht selbst. Die Flüchtenden fahren über Dinges mere nach Dublin. Cavill, Harding und die Skandinavistin Judith Jesch haben vorgeschlagen, darin ein „Meer“ oder Gewässer beim Thing zu sehen, einer Versammlungsstätte (siehe Thing). Auf Wirral liegt der Ort Thingwall, dessen Name genau eine solche Thingstätte bezeugt. Wirral war seit dem frühen 10. Jahrhundert von Nordleuten besiedelt, nach irischer Überlieferung unter Ingimund, der um 902 aus Dublin vertrieben worden war – für einen Dubliner König ein naheliegendes Ziel. Michael Deakin hat 2022 dagegengehalten, Dinges mere sei eher ein dichterisches Wort für das Meer, und auch der Name Brunanburh lasse sich von altenglisch brūn, „braun“, herleiten statt von einem Personennamen.

Dazu kommt die Archäologie. Die ehrenamtliche Gruppe Wirral Archaeology hat in den 2010er-Jahren auf Feldern bei Bromborough systematisch mit Metallsonden gesucht. Michael Livingston, Herausgeber eines „Casebook“ zur Schlacht (2011) und Autor von „Never Greater Slaughter“ (2021), beschreibt Funde, die er 2019 sah: verbogene Pfeilspitzen eines Typs, wie ihn Wikinger aus Irland vor 950 nutzten, eine zoomorph verzierte Riemenzunge, einen arabischen Silberdirham und Reste von Metallverarbeitung, die die Gruppe einem Lager des 10. Jahrhunderts zuordnet. Die Fundstelle bleibt zum Schutz vor Raubgräbern geheim. Livingston selbst nannte die Deutung damals verfrüht. Eine vollständige wissenschaftliche Vorlage aller Funde ist mir nicht bekannt; Cavill und Harding beschreiben laufende Blei- und Isotopenanalysen, mit denen die Herkunft der Metalle geprüft werden soll.

Livingston hält den Fall in seinem Buch für entschieden. Steven Walton fand die These überzeugend, die Archäologie aber noch nicht hinreichend bestätigt; Thomas Williams widersprach der Behauptung, die Frage sei gelöst. Wer fair bleiben will, sagt: Bromborough ist der am besten begründete Kandidat, bewiesen ist er nicht.

Die anderen Kandidaten: Burnswark, Yorkshire, Lanchester

Burnswark bei Lockerbie in Dumfriesshire, ein markanter Hügel mit eisenzeitlicher Befestigung und römischen Lagern, wurde schon 1899 von George Neilson vorgeschlagen und später von Kevin Halloran neu begründet. Dafür sprechen Lage und Namensanklang, dagegen das Fehlen eines mittelalterlichen Belegs für Brunanburh und der weite Weg zur Dubliner Flotte.

Der Historiker und Filmemacher Michael Wood hat über Jahrzehnte Orte in Süd-Yorkshire vertreten, zunächst Brinsworth mit dem nahen Tinsley Wood bei Rotherham, später die Gegend um Burghwallis und Went Hill in Barnsdale, das er mit dem Weondun der Durhamer Tradition verband. Cavill hat 2023 in der Zeitschrift „English Studies“ geantwortet: Nordenglische Quellen zeigten auffallend wenig Interesse an der Schlacht, und Went Hill als Weondun überzeuge nicht.

Andrew Breeze schlug Lanchester im County Durham vor, andere Burnley, Heysham, Barton-upon-Humber oder Bourn in Cambridgeshire. Keiner dieser Orte hat Funde vorzuweisen, die sich mit 937 verbinden ließen.

Gefallene, Zahlen und ihre Grenzen

Was das Gedicht an Opfern nennt, ist knapp und konkret: fünf junge Könige, sieben Jarle Olafs, Konstantins Sohn und eine unzählbare Menge aus dem Heer. Namen nennt es keine. Ob mit „jungen Königen“ Herrscher oder Königssöhne gemeint sind, ist offen; bei den vielen Kleinkönigen Irlands und Schottlands sind fünf nicht unglaubwürdig.

Auch die Sieger hatten nach den Annalen von Ulster schwere Verluste. Zahlen für die Heere fehlen in allen zeitgenössischen Quellen. Die 615 Schiffe der Durhamer Überlieferung und die 34.800 Toten von Clonmacnoise sind späte Angaben, deren Herkunft niemand kennt. Moderne Schätzungen beruhen auf Modellen und werden hier nicht übernommen.

Was gesichert ist

  • Im Jahr 937 besiegten Æthelstan und sein Bruder Edmund ein Heer aus Dublinern und Schotten; das bezeugen das zeitgenössische Gedicht der Angelsächsischen Chronik und, unabhängig davon, die Annalen von Ulster.
  • Olaf Guthfrithsson entkam mit wenigen Begleitern zu Schiff, Konstantin II. floh nach Norden und verlor einen Sohn.
  • Das Gedicht nennt fünf gefallene junge Könige und sieben Jarle Olafs; Namen gibt es nicht.
  • Der Name des Schlachtorts enthält in mehreren unabhängigen Quellen das Element Brun- (Brunanburh, Brunandun, Brune).
  • Olaf war 938 wieder in Dublin und kehrte nach Æthelstans Tod im Oktober 939 nach York zurück.
  • Die genaue Lage des Schlachtfelds ist nicht durch eine Quelle oder einen publizierten Befund gesichert; Bromborough auf Wirral ist der am besten begründete Kandidat.

Nach der Schlacht: Olaf kehrt zurück

Die Annalen von Ulster melden zu 938 knapp, Amlaíb, der Sohn Gofraids, sei wieder in Dublin. Die Niederlage hatte ihn nicht gestürzt.

Æthelstan starb am 27. Oktober 939 in Gloucester und wurde in Malmesbury beigesetzt. Selbst die irischen Annalen ehren ihn im Nachruf. Sein Nachfolger wurde Edmund, der Mitsieger von Brunanburh, damals etwa achtzehn Jahre alt.

Fast sofort kehrte Olaf zurück. Er wurde König in York, sein Bruder Blácaire hielt Dublin. Nach der Durhamer Überlieferung zogen er und Edmund bei Leicester gegeneinander, bis die Erzbischöfe Wulfstan von York und Oda von Canterbury einen Ausgleich vermittelten, der Olaf weite Gebiete der nördlichen Midlands überließ. Die Datierung schwankt zwischen 939 und 940. Aus York sind Münzen mit dem Namen Anlaf erhalten, die Olaf Guthfrithsson zugeschrieben werden, einige mit einem Raben als Bild. 941 starb er, nach schottischer Überlieferung nach einem Raubzug gegen Tyninghame.

Edmund holte 942 die sogenannten Fünf Burgen zurück, die befestigten Orte Leicester, Lincoln, Nottingham, Stamford und Derby. Die Kämpfe um York gingen aber weiter, mit Olaf Sihtricsson, genannt Cuarán, und später mit Erik Blutaxt. Erst 954, nach Eriks Vertreibung und Tod, endete das skandinavische Königtum in York dauerhaft. Den größeren Rahmen beschreiben die Beiträge über das Danelag und die Wikinger in England.

Brunanburh zerschlug also eine gefährliche Allianz und brachte Æthelstan Ruhe im Norden, beseitigte aber weder Dublin noch die Ansprüche der Uí Ímair auf York. Alex Woolf spricht von einem Pyrrhussieg, Alfred Smyth von der größten Schlacht der angelsächsischen Geschichte vor Hastings, deren Wirkung aber überschätzt werde.

„Geburt Englands“: Was das Etikett trägt

Livingstons Buch trägt die Formel von der „Geburt Englands“ im Untertitel. Sie hat einen wahren Kern: Das Gedicht feiert den Sieg als Fortsetzung der angelsächsischen Landnahme, und Æthelweard deutet ihn um 980 als Augenblick, in dem die Gefilde Britanniens zu einem wurden. Æthelstan führte in Urkunden und auf Münzen Titel wie rex totius Britanniae, „König von ganz Britannien“.

Gegen die Formel spricht der Lauf der Ereignisse. Zwei Jahre nach dem Sieg war York wieder in der Hand eines Dubliner Königs, und das Gebiet nördlich des Humber kam erst 954 dauerhaft unter die südliche Krone. Livingston selbst setzt den Beginn bei Eamont 927 an und sieht in Brunanburh dessen Bewährung.

Hinzu kommt ein begriffliches Problem. Die Texte der Zeit sprechen vor allem von Völkern, von Westsachsen, Merciern und Angelsachsen, kaum von einem Land. Was 937 siegte, war ein Bündnis aus Westsachsen und Merciern unter einem König, der sich als Herrscher aller Engländer verstand.

Mythos-Check

  • „Bei Brunanburh wurde England geboren.“ Eine Deutung, kein Befund. Der Sieg sicherte Æthelstans Vorherrschaft, doch York ging 939 wieder verloren, und erst 954 endete das letzte skandinavische Königtum im Norden. Als Anfang lassen sich ebenso Eamont 927 oder 954 begründen.
  • „In der Schlacht starben sieben Könige.“ Das Gedicht nennt fünf junge Könige und sieben Jarle. Die Zahl Sieben im Filmtitel „Seven Kings Must Die“ gehört zur Handlung des Films, nicht zu den Quellen.
  • „Konstantin II. fiel bei Brunanburh.“ So behauptet es William von Malmesbury im 12. Jahrhundert. Das zeitgenössische Gedicht lässt ihn fliehen, und er lebte bis 952.
  • „Die Funde auf Wirral beweisen den Schlachtort.“ Die Funde von Wirral Archaeology passen zu einer Anwesenheit von Wikingern im 10. Jahrhundert, sind aber nicht vollständig publiziert und für sich kein Beweis einer Schlacht von 937. Der Ort bleibt wahrscheinlich, nicht sicher.

Brunanburh im Film „The Last Kingdom: Seven Kings Must Die“

Der Film „Seven Kings Must Die“ erschien am 14. April 2023 bei Netflix (Regie Edward Bazalgette, Buch Martha Hillier) und schließt die Serie nach Bernard Cornwells Romanen ab. Harry Gilby spielt Æthelstan, Alexander Dreymon den erfundenen Helden Uhtred von Bebbanburg, Pekka Strang den Wikingerkönig Anlaf. Mehr dazu im Faktencheck zu „The Last Kingdom“.

Einiges stimmt in groben Zügen. Anlaf baut ein Bündnis mit Konstantin und Owain auf, das Treffen der Könige und die Unterwerfungen der 920er-Jahre klingen an, Konstantin verliert einen Sohn, und Anlaf entkommt. Auch die angreifbare Herkunft Æthelstans von der rangniederen Ecgwynn hat einen historischen Kern. Nach der Analyse von Michael McComb für die World History Encyclopedia folgt der Film in der Ortsfrage der Mehrheitsmeinung, die die Schlacht auf Wirral sucht.

Vieles ist erfunden oder verschoben. Uhtred ist eine Romanfigur; historisch unterwarf sich der Herr von Bamburgh schon 927. Im Film tötet Æthelstan seinen Halbbruder Ælfweard; die Quellen sagen nur, dass Ælfweard 924 kurz nach dem Vater starb. Der Berater Ingilmundr borgt nur den Namen jenes Ingimund, der um 902 nach Wirral kam; eine Liebesbeziehung Æthelstans ist nicht belegt. Hywel Dda, den der Film an Æthelstans Seite stellt, nahm an der Schlacht nach allem, was wir wissen, nicht teil. Den versteckten Reiterangriff aus dem Wald, der im Film die Wende bringt, kennt keine Quelle; das Gedicht erwähnt Berittene nur bei der Verfolgung der Fliehenden. Und wo im Film Uhtred kämpft, stand historisch Edmund, damals etwa sechzehn, den das Gedicht als Mitsieger nennt.

Häufige Fragen

Wann fand die Schlacht von Brunanburh statt? Im Jahr 937. So datieren die Chronik, die Annalen von Ulster und die walisischen Annalen übereinstimmend; Monat und Tag sind nicht überliefert.

Wer kämpfte bei Brunanburh gegen wen? König Æthelstan und sein Bruder Edmund mit Westsachsen und Merciern gegen Olaf Guthfrithsson von Dublin, Konstantin II. von Schottland und Owain von Strathclyde. Die Waliser blieben fern.

Wo lag Brunanburh? Das ist nicht endgültig geklärt. Die meisten Fachleute halten Bromborough auf der Halbinsel Wirral für den wahrscheinlichsten Ort; Alternativen sind Burnswark, Orte in Süd-Yorkshire und Lanchester.

Ist die Schlacht in der Egils saga dieselbe wie Brunanburh? Wahrscheinlich, aber nicht sicher. Die Saga nennt die Heide Vínheiðr und einen König Óláfr rauði von Schottland. Für Einzelheiten ist sie keine verlässliche Quelle.

Was geschah mit Olaf Guthfrithsson nach der Schlacht? Er entkam nach Dublin, war 938 dort wieder König und nahm nach Æthelstans Tod 939 York ein. Er starb 941.

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