Sigurd Schlangenauge soll als Sohn Ragnar Lodbroks einen Ring in der Pupille getragen haben, der aussah wie eine sich windende Schlange, und später König in Dänemark gewesen sein. Beides erzählen nordische Texte, die zwischen 300 und 450 Jahre nach den Ereignissen entstanden. In den Chroniken des 9. Jahrhunderts kommt er unter diesem Namen nicht vor. Wohl aber tauchen dort ein dänischer König Sigifrid und später ein Sigfred am Rhein, in Paris und bei Löwen auf, und seit langem fragt man, ob dahinter derselbe Mann steht. Dieser Beitrag trennt, was Annalen belegen, von dem, was Saxo und die Sagas erzählen, und von dem, was die Nachwelt daraus gemacht hat.
Sigurðr ormr-í-auga, „Sigurd Schlange-im-Auge“, ist in den nordischen Überlieferungen einer der Söhne des Ragnar Lodbrok. Sein Beiname ist sprechend: Nach der Ragnarssona-Überlieferung trug er ein Mal im Auge, „als läge eine Schlange um die Pupille“, und davon habe er den Namen. Man kann sich darunter einen hellen Ring um die Iris vorstellen; ob die Sagas das meinen oder ein Fantasiebild beschreiben, lässt sich nicht entscheiden. Dass jemand im 9. Jahrhundert wirklich so aussah, ist nicht belegbar, und eine körperliche Eigenschaft, die in keiner zeitgenössischen Quelle steht, taugt nicht als Beweis für oder gegen eine Person.
Mit dem Namen Sigurd muss man vorsichtig umgehen, denn er ist in dieser Überlieferung mehrfach besetzt. Ragnars eigener Vater heißt in den Sagas Sigurd Ring. Aslaug, die Mutter Sigurd Schlangenauges, ist nach der Saga eine Tochter des Drachentöters Sigurd Fáfnisbani, also jenes Helden, den dieses Blog im Beitrag zu Sigurd und Siegfried behandelt. Sigurd Hirsch, in den Sagas ein Enkel unseres Sigurd über dessen Tochter, ist ein weiterer Namensvetter. Wer „Sigurd“ liest, muss also jedes Mal fragen, welcher gemeint ist. Hier geht es nur um den Sohn Ragnars mit dem Schlangenzeichen im Auge.
Nach den Sagas ist er der dritte oder vierte Sohn Ragnars, Bruder von Ivar dem Knochenlosen, Björn Eisenseite und Hvitserk. In der Rache an König Ælla steht in den Sagas Ivar im Vordergrund, Sigurd bleibt blass. In der Ragnarssona-Überlieferung herrscht er über Seeland, Schonen und Halland und gilt als der Stammvater einer Königslinie, die bis zu Gorm dem Alten reichen soll. Diese Linie ist das eigentliche Gewicht seiner Gestalt: Er ist weniger ein Kriegsheld als ein Bindeglied in Stammbäumen. Und genau hier beginnt das Problem, denn gerade die Stammbäume sind der Teil der Überlieferung, den die Forschung am wenigsten für verlässlich hält.
Zur Einordnung der Familie finden Sie die Beiträge zu Ragnar Lodbrok, zu Ragnars Söhnen und zu Aslaug. Hier steht der Mann, über den man am wenigsten sagen kann und der dennoch am häufigsten auf Stammbäumen erscheint.
Keine zeitgenössische Quelle nennt ihn mit Namen und Beinamen. Die Angelsächsische Chronik und die Annalen von St. Neots nennen für die Zeit nach 865 Ivar (Hingwar), Halfdan und Ubba (Hubba), nicht aber einen Sigurd; die irischen Annalen kennen Halfdan. Das ist ein Befund, aber kein Gegenbeweis: Wer in den englischen Quellen fehlt, war vielleicht nicht in England. Es zeigt nur, dass die englische Seite keinen Anhaltspunkt liefert.
Die fränkischen Annalen. Hier liegt der einzige Boden aus der Zeit selbst. Die Annales Fuldenses, die Annalen von Fulda, sind eine ostfränkische Hofchronik, die im 9. Jahrhundert fortlaufend geführt wurde. Zum Jahr 873 nennen sie zwei dänische Könige, Sigifrid und Halbdeni, die Gesandte zu Ludwig dem Deutschen schicken. Zu 891 melden sie in der Schlacht an der Dyle bei Löwen den Tod der Könige Sigfrid und Gottfried. Das Wort „Sigurd“ steht in keiner dieser Stellen. Dass der Sigfrid der Franken der Sigurd der Sagas sein könnte, ist eine Vermutung der Forschung, die auf der Namensähnlichkeit, auf dem gemeinsamen Bruder Halfdan und auf der Zeit beruht. Mehr ist es nicht.
Adam von Bremen, um 1075. Adam schrieb seine Hamburger Kirchengeschichte zwischen 1073 und 1076 (siehe Adam von Bremen). Er kennt eine Reihe dänischer Könige: einen Helge, dann Olof, der aus Schweden kommt, später Sigtrygg und einen Hardegon, Sohn eines Sven; als Gorms Vater nennt er nach der Darstellung auf dieser Website Hardegon. Einen Sigurd Schlangenauge nennt er nach dem, was ich sah, nicht. Ich habe Adam nicht im Volltext gelesen, kann also nur sagen: Eine Verbindung Sigurds zu Gorm über Adam habe ich nicht gefunden, und die dänische Königsfolge liest sich bei ihm anders als in den Sagas.
Chronicon Roskildense, um 1138. Die Chronik des Klosters Roskilde führt, so die Zusammenfassung, die ich lesen konnte, die Söhne Ragnars als Ywar, Inguar, Ubbi, Byorn und Ulf auf. Ein Sigurd fehlt in dieser Aufzählung. Das ist ein weiterer Hinweis, dass der Name in der dänischen Überlieferung des 12. Jahrhunderts noch nicht fest an Ragnar hing.
Saxo Grammaticus, um 1200. In den Gesta Danorum (siehe Saxo Grammaticus) ist „Siward“ im 9. Buch ein Sohn Ragnars. Aslaug kommt in der Übersetzung, die ich lesen konnte, unter diesem Namen nicht vor; Ragnars Frauen heißen dort Ladgerda, Thora und Swanloga, und Swanloga gilt in der Forschung als Entsprechung der Aslaug. Welche Mutter Siward hat, sagt der Text nicht eindeutig. Den Beinamen erklärt er mit einer eigenen Episode: Der verwundete Siward wird von einem riesenhaften Mann namens Rostar geheilt, der dafür verlangt, dass Siward ihm die Seelen aller Gefallenen weihe, und zum Abschied streut er ihm Staub in die Augen. Daher, so Saxo in Elton-Übersetzung, habe Siward den weit verbreiteten Namen Schlangenauge bekommen. Auch die Herrschaft sieht bei Saxo anders aus: Ragnar macht Siward und Radbard zu Herren über Gebiete in Schottland und auf den Inseln, und später übergibt die gesamte dänische Versammlung Siward die Herrschaft seines Vaters. Mit Björn zieht er in Saxos Erzählung auch gegen Ælla, der mit dem Blutadler hingerichtet wird. Siward lebt später friedlich, so Saxo, und über sein Ende steht nur: Er starb.
Ragnars saga loðbrókar und Ragnarssona þáttr. Die Saga entstand im 13. Jahrhundert, die „Erzählung von Ragnars Söhnen“ (þáttr, ein kurzer Erzählabschnitt) um 1300. In ihnen, in der Fassung, die ich in einer englischen Übersetzung durch ein Abrufwerkzeug gelesen habe, ist Aslaug die Mutter, und Sigurd erhält nach den Raubzügen der Brüder Seeland, Schonen und Halland, dazu Gebiete in Norwegen. Er heiratet Blæja, die Tochter König Ælla von Northumbrien, und hat einen Sohn Knut, genannt Hörda-Knut, sowie eine Tochter Aslaug. Er fällt im Kampf gegen Kaiser Arnulf; sein Bruder Helgi bringt der Mutter die Nachricht. Knuts Sohn heißt Gorm. Auch Eystein Beli kommt vor, der in Schweden Ragnars Söhne Eirik und Agnar tötet und dafür später fällt, nicht durch Sigurd persönlich. All das steht nur hier, und die Texte sind jünger als die Ereignisse um mehrere Jahrhunderte.
Skjöldunga saga. Die Skjöldunga saga ist eine um 1180 bis 1200 entstandene isländische Königsgeschichte, im Original verloren; Teile sollen in der Ragnarssona-Überlieferung weiterleben. Was sie über Sigurd gesagt hat, kann ich nicht beurteilen, weil ich weder das lateinische Exzerpt des Arngrímur Jónsson noch das Sögubrot im Wortlaut eingesehen habe.
Sven Aggesen. Eine Zusammenfassung zu Ragnar erwähnt, bei Sven Aggesen (um 1190) dringe ein „Sohn Sigurd“ in Dänemark ein. Ob dieser Sigurd Ragnars Sohn ist, geht aus dem Text, den ich gesehen habe, nicht hervor; ich lasse die Stelle deshalb offen.
Wie bei den Söhnen Ragnars insgesamt braucht es zwei Spalten. Erst das, was in Annalen und Nachbarquellen zu fassen ist, und zwar nur als Frage, ob Sigurd gemeint sein könnte:
Dazu eine Rechnung, die man selbst anstellen kann: Ein Sigfred, der 887 stirbt, kann nicht 891 bei Löwen fallen. Entweder handelt es sich um mehrere Männer dieses Namens, oder eine der Angaben ist ungenau, oder die Annalisten haben Namen verwechselt. Die Forschung diskutiert genau das, und eine eindeutige Zuordnung gibt es nicht. Auch ob der Sigifrid von 873 mit dem Sigfred von 881 oder 885 identisch ist, lässt sich nicht belegen.
Und die Abfolge, wie die Sagas sie erzählen (Jahreszahlen sind hier meist moderne Zuordnungen, nicht Angaben der Texte): Sigurd wird als Sohn Ragnars und Aslaugs geboren; die Brüder Eirik und Agnar werden in Schweden von Eystein Beli getötet; Ragnar stirbt in der Schlangengrube Ællas, traditionell um 865; die Söhne rächen ihn, Ælla wird getötet, und die Brüder teilen die Länder; Sigurd heiratet Blæja; Sigurd fällt gegen Arnulf, was man heute mit 891 verbindet; ihm folgt Knut. Wie wenig fest diese Reihe ist, zeigt der Widerspruch zwischen Saxo und den Sagas, der schon die Mutter betrifft.
Königtum in Dänemark. Dänemark im 9. Jahrhundert war kein einheitliches Reich mit festem Thronfolgerecht. Aus den fränkischen Quellen kennt man Könige aus der Dynastie Gudfreds, die sich zeitweise um Südjütland, die Grenze zum Frankenreich und den Handelsplatz Haithabu gruppierten (siehe Haithabu und Danewerk). Mehrere Könige konnten gleichzeitig regieren; die Annalen sprechen 873 von zwei. Wer Sigurd nach den Sagas zum Herrn über Seeland, Schonen und Halland macht, malt eine Landkarte, die wie die späteren dänischen Kernlande aussieht und aus der Sicht des 13. Jahrhunderts gezeichnet ist.
Die Brüder. Die Sagas lassen die Söhne Ragnars nach der Rache an Ælla die Länder teilen: Björn bekommt Uppsala und Mittelschweden, Hvitserk Reidgotaland und Wendland, Sigurd Seeland, Schonen und Halland, dazu nach der Erzählung Landstriche in Norwegen. Ivar dagegen bleibt in England. In diesem Bild ist die Rollenverteilung klar: Die einen kämpfen im Westen, Sigurd hält den Süden Skandinaviens. Ob es eine solche Teilung je gab, ist unbekannt. Sie sieht aus wie das, was ein Geschichtenerzähler tut, um jedem Bruder ein Reich zu geben. Die Annalen von Fulda nennen 873 zwei Brüder, Sigifrid und Halbdeni; Forscher haben vermutet, dass der eine Sigurd, der andere der Halfdan der englischen Quellen sei (siehe Halfdan Ragnarsson). Das stützt sich auf eine Namensgleichheit und eine zeitliche Nähe, die beide nicht zwingend sind, denn Halfdan war ein häufiger Name.
Das Große Heer. Das micel here, das „Große Heer“ der Angelsächsischen Chronik, landete 865 in Ostanglien und wurde von Ivar, Halfdan und Ubba geführt (siehe Das Große Heer). Sigurd gehört in der englischen Überlieferung nicht zu seinen Anführern, und die Sagas zeigen ihn eher in der Heimat; Saxo lässt ihn dagegen mit Björn mit 400 Schiffen gegen Ælla ziehen. Wäre der Halbdeni von 873 der Halfdan der englischen Quellen, hätte dieser in den 870er Jahren zwischen England und Dänemark gewechselt: denkbar, aber Spekulation. Dass Sigurd und Halfdan Söhne Ragnars sind, steht erst in den nordischen Texten.
Macht und Mittel. Was ein König damals konkret besaß, lässt sich aus den Annalen ablesen: Gesandte, ein Schwert mit goldenem Griff als Geschenk, Absprachen über Handelsrechte, ein Lager, Silber. Das ist das Bild eines Herrn, der über Schiffe und Gefolge verfügt, Verträge schließt und Geld nimmt. Zu mehr geben die Annalen nichts her. Ob Sigurd je über Schonen oder Halland geherrscht hat, wie die Sagas es behaupten, steht in keiner Quelle der Zeit.
Ein Bezug nach Aachen oder ins Rheinland ergibt sich nur über die Frage, ob der Sigfrid der Annalen Sigurd Schlangenauge ist. Setzt man das voraus, was man nicht belegen kann, so führen die Spuren nach Worms und Metz (die Gesandten von 873), an die Maas bei Asselt oder Elsloo (881 bis 882), nach Aachen, das im Spätherbst 881 geplündert wurde, und nach Löwen und an die Geule bei Maastricht (891). Der Beitrag Wikinger in Aachen 881 beschreibt den Überfall; dort handeln die Könige Gottfried und Sigfred. Dass dieser Sigfred derselbe wie der von 873 ist, wird nirgends bewiesen.
An der Nordseeküste und in Norddeutschland führt die einzige belegte Spur über die Eider, den Grenzfluss zwischen dem dänischen Machtbereich und Sachsen, an dem 873 ein Treffen vereinbart wurde. Das spricht dafür, dass Südjütland zum Machtbereich der beiden Könige gehörte. Mit Sigurd verbindet es nur, wer die beiden gleichsetzt. Friesland, das Gottfried 882 als Lehen erhielt, ist für Sigurd nirgends belegt (siehe Friesen). Weiter reichende Behauptungen, Sigurd habe in der Eifel oder in Nordrhein-Westfalen gekämpft, habe ich in keiner Quelle gefunden.
Mir ist kein Fund bekannt, den man Sigurd Schlangenauge zuordnen könnte: keine Münze mit seinem Namen, keine Runeninschrift, kein Grab. Die Runensteine von Jelling, die Gorm den Alten bezeugen (siehe Gorm der Alte), nennen meines Wissens weder Ragnar noch einen seiner Söhne; den Wortlaut habe ich für diesen Beitrag nicht geprüft. Auch die Sagas geben für Sigurd keinen Bestattungsort an. Das ist nicht ungewöhnlich bei Gestalten dieser Zeit, aber es heißt: Wer von „Sigurds Grab“ spricht, erzählt etwas dazu.
Der Stammbaum. Die Ragnarssona-Überlieferung gibt Sigurd eine Tochter, die ebenfalls Aslaug heißt. Sie heiratet Helgi den Scharfen, und deren Sohn ist Sigurd Hirsch, König von Ringerike. Dessen Tochter Ragnhild wird Mutter Harald Schönhaars. So reicht die Linie von Sigurd Schlangenauge, über den Drachentöter Sigurd und Brynhild als Vorfahren seiner Mutter, bis zum Reichseiniger Norwegens. Der Text endet in der übersetzten Fassung mit dem Satz, ihr Sohn sei König Harald Schönhaar gewesen, der als Erster Alleinherrscher über ganz Norwegen wurde (siehe Harald Schönhaar). Das ist ein Herrschaftsmythos, wie ihn viele Dynastien haben, und kein Beleg für eine Verwandtschaft: Die Wikipedia-Seite zu Sigurd Hirsch hält die Rechnung zeitlich für praktisch unmöglich, es sei denn, es habe zwei Männer dieses Namens gegeben.
Die Linie zu Gorm. In der Ragnarssona-Überlieferung folgt Sigurd sein Sohn Knut, genannt Hörda-Knut (Harthacnut), und auf diesen Gorm, der kräftig und groß, aber nicht so weise wie seine Vorfahren sein soll. Gorm der Alte ist eine historische Gestalt, aber die Verbindung zu Sigurd ist nur hier belegt. Adam von Bremen nennt als Gorms Vater Hardegon, einen Sohn Svens, und Saxo macht einen Knut zum Sohn eines Erik; die Namen decken sich nicht. Ob Hardegon mit dem Hörda-Knut gleichzusetzen ist, lässt sich nicht belegen; Wikipedia nennt Harthacnut halblegendär.
Der Kaiser. Der Tod im Kampf gegen Arnulf ist ein schöner Moment der Sagas, weil er Sigurd mit einem tatsächlichen Ereignis verbindet: der Schlacht von 891. Aber Arnulf war 891 König des Ostfrankenreichs und wurde erst 896 Kaiser, die Sage nennt ihn dagegen „Kaiser Arnulf“. Die Verbindung ist eher ein Rückgriff auf einen bekannten Namen. Sie kann ein Erinnerungsrest sein, etwa an den Tod eines Sigfrid bei Löwen, oder ein nachträglicher Anschluss, den Erzähler vorgenommen haben könnten, weil sie einen „Sigurd“ und einen „Sigfrid“ in den Annalen vor sich hatten; das ist eine mögliche Erklärung, kein Befund.
Die Gestalt besteht aus Verknüpfungen: ein Name, ein Zeichen im Auge, ein Platz in einer Linie, die Ordnung stiften will. Für jede einzelne gilt, was oben zu den Quellen steht.
„Hence it happened that Siward got the widespread name of Snake-Eye.“
„Daher kam es, dass Siward den weit verbreiteten Namen Schlangenauge erhielt.“Saxo Grammaticus, Danish History, Buch 9, in der Übersetzung von Oliver Elton (1905), über ein Abrufwerkzeug gelesen, das die Seite zusammenfasste und diese Zeile als Wortlaut wiedergab; ein Vergleich mit dem lateinischen Original steht aus; deutsche Fassung eigene Übersetzung
Offen ist, ob es einen historischen Sigurd Schlangenauge gab. Offen ist, ob er mit dem Sigifrid von 873 oder einem späteren Sigfrid gleichzusetzen ist, und ob die Sigfrede von 873, 881, 885 und 891 ein Mann waren, zwei oder vier. Offen ist, ob die Söhne Ragnars tatsächlich Brüder waren, wie die Sagas es erzählen, und ob Ragnar selbst eine einzelne Person war. Offen ist, wie weit die Linie zu Gorm Erfindung ist. Ein zeitgenössischer Text, der Sigurd und Ragnar zusammen nennt, oder ein Münzfund mit einem Königsnamen Sigfred könnte einiges klären. Bisher fehlt beides.
Wer war Sigurd Schlangenauge? Nach den Sagas ein Sohn Ragnar Lodbroks und Aslaugs, mit einem schlangenähnlichen Zeichen im Auge und König über Seeland, Schonen und Halland. Seine Existenz lässt sich in den zeitgenössischen Quellen nicht eindeutig belegen.
Warum heißt er Schlangenauge? Die Sagas nennen ein Mal in seinem Auge, als liege eine Schlange um die Pupille. Saxo erzählt eine andere Herkunft: Ein Riese namens Rostar streute ihm Staub in die Augen, und seitdem trug er den Namen.
Ist er mit dem Sigfred der fränkischen Annalen identisch? Das ist möglich, aber nicht bewiesen. Die Annalen von Fulda nennen 873 einen dänischen König Sigifrid neben Halbdeni. Die Gleichsetzung stützt sich auf Namen und Zeit.
Wie starb Sigurd Schlangenauge? Die Ragnarssona-Überlieferung lässt ihn im Kampf gegen Kaiser Arnulf fallen, Saxo schreibt nur, er sei gestorben. Arnulf war 891 noch nicht Kaiser.
Gibt es einen Bezug zu Aachen oder dem Rheinland? Nur mittelbar. Ein König Sigfrid war 881 und 882 am Rhein und an der Maas, und Aachen wurde 881 geplündert, aber ob dieser Mann Sigurd war, lässt sich nicht belegen.
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Ragnars Söhne · Ragnar Lodbrok · Halfdan Ragnarsson · Ubba · Das Große Heer.
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